|
Eine herrliche Treppe in der Rue des Nobles
 Prosper Mérimée, unbekannter Künstler, Lithografie nach 1820. Quelle: BnF/http://gallica.bnf.fr. |
Prosper Mérimée (1803-1870) wurde 1834 zum obersten französischen Denkmalschützer ernannt. In den folgenden Jahren bis 1840 unternahm er vier Inspektionsreisen, deren Ergebnis eine erste Liste mit 1 034 schützenswerten Denkmälern war, die 1840 veröffentlicht wurde.
Während der zweiten dieser Inspektionsreisen, die er zwischen Juli und Oktober 1835, also im Jahr nach der Veröffentlichung seines Reiseberichts Notes d’un voyage dans l’Ouest de la France (Notizen einer Reise durch den Westen Frankreich) unternahm, sah Mérimée in der Rue des Nobles in Morlaix eine höchst bemerkenswerte Treppe, bei der es sich zweifellos um die des als „Haus der Herzogin Anne“ bekannten Hauses handelte.
|
„In einem Haus in der Rue des Nobles ist eine herrliche gotische Holztreppe aus dem 15. Jahrhundert zu sehen, die trotz täglicher Nutzung perfekt erhalten ist. Ihre auf jeder Etage unterschiedliche Dekoration ist von unerhörter Feinheit. Noch nie hatte ich etwas so Perfektes und Geschmackvolles gesehen.“
Das zu einer Zeit, in der das Stadtbild von Morlaix noch von Spätmittelalter und Renaissance geprägt war, für das Gebäude und seine Treppe gezeigte Interesse führte 1883 zur Klassifizierung des Gebäudes als historisches Denkmal und rettete es so im letzten Moment davor, wie die benachbarten Häuser abgerissen zu werden.
Prosper Mérimée hatte großen Anteil an der Einführung einer öffentlichen Denkmalschutzpolitik in Frankreich. Ein halbes Jahrhundert nach seinem Besuch in Morlaix und seinem lobenden Urteil verdankte das Stadthaus dem Umstand, dass erste Schutzmaßnahmen ergriffen wurden, seine Rettung.
Und das, obwohl Prosper Mérimée über Häuser, die ihm missfielen, manchmal zu schnell ein negatives Urteil abgab.
Das komplette Kapitel von Prosper Mérimée über Morlaix (in französischer Sprache).
1836: Prosper Mérimée - 1851: Olivier de Wismes - 1879: Adolphe Allier
1891: Albert Robida - 1901: Jean-Marie Abgrall
|